Der Zweck heiligt die
Mitte
Qigong mit chronisch psychisch beeinträchtigten
Menschen
Quelle: http://www.gongolei.de/arbeit.htm
Abschlussarbeit der Kursusleiterausbildung der Deutschen
Qigong-Gesellschaft 2003/2004 in Berlin
Dozenten:
Walter Gutheinz
Rainer Jakisch
Teilnehmer:
Bernhard Haas
Inhalt
Einleitung
Aspekte psychischer Erkrankungen
Formale Denkstörungen
Inhaltliche Denkstörungen: Halluzination und Paranoia
Depression
Manie
Sensorische Deprivation
Sensorische Integration
Förderung der Körpereigenwahrnehmung im Sinne
der Sensorischen Integrationstherapie
Psychische Erkrankungen und ihre Symptome aus der Sicht
der traditionellen chinesischen Medizin
Die drei Schätze
Geist und Psyche: Shen, Hun, Po, Yi, Zhi
Die Emotionen und die Yin-Organe: Mögliche Pathologien
Diagnose und Therapie mentaler und emotionaler Störungen
Qi, Blut,Yin: Stagnation, Stase, Hitze , Schleim
Westliche Krankheitsbegriffe und chinesische Entsprechungen
Chinesische Krankheitsbegriffe und Therapieansätze
Die Praxis
Die Gruppe
Üungspraxis
Wirkungen
Resümée
Verzeichnis der verwendeten Literatur
Der Zweck heiligt die Mitte
Qigong mit chronisch psychisch beeinträchtigten
Menschen
„Menschen, deren Geist in Verwirrung geraten
ist, sollten im allgemeinen keine Qigong-Übungen
ausführen. Dies gilt insbesondere für den
Aspekt der Vorstellungsübungen und speziellen Atemtechniken.
Wenn es der geistige Zustand erlaubt, können jedoch
die harmonischen Körperbewegungen oder der feste
Stand auf der Erde durch ihre regulierende Wirkung zu
einer Verbesserung des geistigen Zustandes beitragen.“[1]
„Für Schwerstkranke und Patienten mit Geisteskrankheiten
ist die Qigong-Therapie nicht geeignet. Übungen,
bei denen das Bewahren und Lenken der Vorstellungskraft
eine große Rolle spielt, eignen sich nicht für
Menschen, deren Gemütslage nicht stabil ist, die
stets eine skeptische Grundstimmung haben, denen es
an Objektivität mangelt, die immer extreme und
radikale Meinungen haben oder die sehr leicht erregbar
sind. Diese Menschen sollten Übungsmethoden wählen,
bei denen die körperliche Bewegung den Hauptaspekt
bildet.“[2]
„Es wurde darüber berichtet, dass unter
Qi-Gong-Übungen Psychosen in Erscheinung traten.
Dabei handelte es sich weltweit um Einzelfälle.
Ist eine Psychose bekannt, sollte man daran allerdings
denken und lieber einmal zuviel den Arzt um Rat fragen.“[3]
Einleitung
Die folgenden Ausführungen sind der Niederschlag
meiner Arbeit mit chronisch psychisch kranken Erwachsenen
und meiner Lektüre zu diesem Thema. Aufgrund der
zeitlichen (1 Jahr) und personellen (der Gruppe gehörten
4-5 Personen an) Beschränkung sind sie als persönliche
Reflexion und Hypothesenbildung aufgrund meiner Erfahrungen
zu verstehen. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Jedoch scheint mir eine Diskussion der erwähnten
Aspekte und Fragen sinnvoll, zumal ganz unvermeidbar
in unsere Arbeit mit Menschen unausgesprochene oder
formulierte Überzeugungen, Annahmen und Ängste
einfließen. Diese in mir selbst aufzusuchen und
zu benennen war mir ein wichtiges Anliegen.
Ausgangspunkt meines Vorhabens, mit psychisch kranken
Menschen Qigong zu üben, waren nicht die oben zitierten
Ausführungen, sondern die Sensorische Integrationstherapie
und -theorie nach Jean Ayres, die ich als Ergotherapeut
kennengelernt habe und in meiner Arbeit mit Kindern
praktiziere.
In den 90er Jahren begannen Ergotherapeuten des Kölner
Alexianerkrankenhauses, Elemente der sensorischen Integrationstherapie
(Erläuterung weiter unten) in der Behandlung akut
schizophrener Patienten zu integrieren. Sie gingen dabei
von der Überlegung aus, „dass von schizophrenen
Störungen betroffene Patienten wahrscheinlich auch
Störungen der sensorischen Integration als ein
Vulnerabilitätsmerkmal[4] aufweisen werden“[5].
Man kann also vermuten, dass eine eingeschränkte
Körperwahrnehmung ein bedeutsamer somatischer und
physiologischer Aspekt jeder psychischen Erkrankung
ist, vor allem solcher, die mit Halluzinationen verbunden
sind.
Die Beschreibung psychiatrischer Krankheitsbilder beschränkt
sich auf für die Qigong-Arbeit relevante Aspekte.
Die Sichtweise der chinesischen Medizin wird nicht konkurrierend
zu den Erkenntnissen der westlichen Medizin dargestellt.
Die psychiatrische Arbeit in Deutschland befindet sich
seit einigen Jahrzehnten in einem ständigen Wandel,
ausgehend von einer biologistischen Sicht, die die Behandlungsmöglichkeit
der klassischen psychiatrischen Krankheitsbilder (Schizophrenie,
endogene Depression, manisch-depressive Erkrankung)
fast ausschließlich in der „Einstellung“
mit Psychopharmaka sah, hin zu einer Praxis, die psychosoziale,
psycho-edukative, kreative und körperbezogene Ansätze
zunehmend stärker berücksichtigt.
Die körperliche Destabilisierung, die mit allen
psychischen Erkrankungen verbunden ist, kommt in der
Bildhaftigkeit der Sprache zum Ausdruck:
· „Am Boden sein“, wie es in der
Depression der Fall ist.
· „Den Boden unter den Füßen
verlieren“ wie bei Schizophrenien und manischen
Erkrankungen.
Sensorische Integrationstherapie und Qigong-Praxis
geben, von unterschiedlichen Überlegungen und Erfahrungen
ausgehend, der Wahrnehmung (Achtsamkeit) den Focus im
Gegensatz zu einer mechanischen („gymnastischen“)
Bewegungsübung. Handeln ist in dieser Sichtweise
immer das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit und
der Vermittlung von äußeren und inneren (körperbezogenen,
psychischen) Ereignissen und Zuständen.
Aspekte psychischer Erkrankungen
Formale Denkstörungen
Formale Denkstörungen beziehen sich nicht auf
die Denkinhalte, sondern die Denkstrukturen und -prozesse.
Schizophrene Denkstörungen sind gekennzeichnet
durch die Unfähigkeit, sich auf die relevanten
Aspekte einer Aufgabe zu konzentrieren oder diese Aufmerksamkeit
aufrechtzuerhalten. Das Denken ist gekennzeichnet durch
Sprunghaftigkeit und Uferlosigkeit.
„Tausend Gedanken durch einen (den wesentlichen)
ersetzen“ ist ein wichtiges Ziel der Qigong-Übung
- nicht nur für psychisch Erkrankte.
Inhaltliche Denkstörungen: Halluzination und Paranoia
Halluzinationen treten ebenso wie Wahnvorstellungen
(Paranoia) häufig im Verlauf von schizophrenen
Erkrankungen auf (paranoid-halluzinatorische Schizophrenie).
Eine Halluzination ist eine Wahrnehmung idiosynkratischer
Natur, d.h. es gibt keinen äußeren oder inneren
(aus dem eigenen Körper kommenden) Reiz, der das
Erleben begründen könnte.
Die häufigste Halluzinationen sind akustischer
und visueller Natur. Oft sind es kommentierende und
befehlende Stimmen, die den Betroffenen entwerten, beschimpfen
oder ihn zu aggressiven Handlungen gegen andere oder
sich selbst - bis zum Suizid -auffordern.
Wahnvorstellungen sind extreme und meist bedrohliche
Fehlinterpretationen der Wirklichkeit. Die Betroffenen
fühlen sich verfolgt (z.B., wenn sie jemand anschaut),
beziehen viele Handlungen und Ereignisse auf sich, halten
sich selbst für andere Personen u.a.
Depression
Die Depression, auch „Gefühl der Gefühllosigkeit“
genannt, ist u.a. gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit,
Mutlosigkeit, Gefühle der Aussichtslosigkeit bis
hin zur Suizidalität, Wertlosigkeit und Antriebsschwäche.
Neben der psychischen Funktion müssen wir Antrieb
auch als physiologisch-neurologisches Phänomen
betrachten. Fehlender oder eingeschränkter körperlicher
Antrieb ist meist mit einem niedrigen Muskeltonus und
einem sensorischen Mangel verbunden. Körperliche
Aktivität ist ein oft erfolgreiches Mittel, die
depressive Antriebslosigkeit zumindest vorübergehend
aufzuhellen und die Einseitigkeit und Selbstdestruktivität
des Denkens zu durchbrechen – einfach dadurch,
dass selbsttätig eine andere starke Realität
geschaffen wird.
Manie
Im Gegensatz zur Depression, die sehr dauerhaft sein
kann, tritt die Manie meist als manische Episode auf.
Die betroffenen Menschen sind in euphorischer, reizbarer
Stimmung, von rastloser Aktivität, gehen unnötige
Risiken ein, schlafen wenig, haben meist einen starken
Rededrang und ein übersteigertes, grandioses Selbstwertgefühl,
wodurch sie auch andere Menschen beeinflussen können
(Nicht selten wurden manisch Erkrankten aufgrund ihres
selbstsicheren Auftretens große Kredite gewährt.).
Manische Episoden sind häufig mit einer in Quantität
und Qualität beeindruckenden (kreativen) Produktivität
verbunden. Eine manische Episode endet fast immer mit
einem Absturz in tiefe Depression.
Sensorische Deprivation
Sensorische Deprivation (Entzug aller akustischen,
visuellen und der meisten Körperreize) wird experimentell
zur Klärung wichtiger psychologischer Fragestellungen
in schalltoten und lichtlosen Räumen hergestellt
und kann zu intellektueller Verwirrtheit, Angstzuständen,
Ruhelosigkeit, Orientierungsverlust, Wahrnehmungstäuschungen
(Verkennungen, Zoenästhesien[6], Halluzinationen)
führen.[7]
Eine der schlimmsten Foltermethoden ist die Isolationsfolter
in einem fensterlosen, schalltoten Raum (sensorische
Deprivation als „Weiße Folter“). Schon
nach wenigen Stunden beginnen die einzeln Eingeschlossenen
zu halluzinieren, schaffen die ihnen vorenthaltene Wirklichkeit
aus dem visuellen, auditiven Material ihrer unermeßlichen
Erinnerungen.[8] Wer jemals in einem solchen Raum war
(einen solchen gibt es z.B. in der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt PTB in Braunschweig), kennt das Gefühl
der Unruhe und Verunsicherung.
Sensorische Integration
Unter sensorischer Integration versteht man die geordnete
Verarbeitung von äußeren und inneren Sinneseindrücken,
die es ermöglicht, auf den Input bzw. Intake[9]
angemessen zu reagieren, mithin sinnvoll mit der Umwelt
zu interagieren und dazu den eigenen Körper zielgerichtet
einzusetzen. Ein wichtiger Bestandteil der sensorischen
Integrationsfähigkeit sind auch Haltungs- und Bewegungsprogramme.
Beispiele:
· Die Schwerkraftempfindung führt zu einer
automatischen Muskelbereitstellung, die uns die Aufrechterhaltung
unserer Körperhaltung ermöglicht. Sobald dieses
Haltungsprogramm zuverlässig arbeitet, sind wir
in der Lage, unsere Aufmerksamkeit Anderem zuzuwenden,
z.B. einem Ball, der auf uns zufliegt. Der visuelle
Reiz provoziert eine Bewegung der Hand in die projizierte
Flugbahn des Balles. Diese Hinbewegung zum Ball ist
z.T. visuell gesteuert, erfordert aber auch in jedem
Abschnitt Haltungsanpassungen.
· Das Drehen des Kopfes zu einer akustischen
Reizquelle (jemand ruft meinen Namen, ich drehe mich
um), Hand-Auge-Koordination beim Malen und Schreiben
sind weitere Situationen, in denen sensorische Integration
gefordert ist.
· Ein wichtiger Bestandteil einer gelungenen
sensorischen Integration ist auch die Hemmung irrelevanter
Reize (z.B. das weitgehende Ausblenden der Stimmen in
einem Café, während wir uns unterhalten
oder ein Buch lesen).
Störungen der sensorischen Integration können
verschiedene Ursachen haben:
· eine mangelnde Reizaufnahme (sensorische Rezeption
gestört): Hierbei sind die Sinneswerkzeuge bzw.
die Weiterleitungswege zu zentraleren neuronalen Instanzen
selbst (taktile und somatische Rezeptoren, Gelenk-,
Muskelrezeptoren, Vestibulum[10]=Schwerkraft- und Gleichgewichts-Sinnesorgan)
unterempfindlich oder versorgen mit Verarbeitungszentren
unzureichend mit Informationen.
· eine mangelnde Hemmung irrelevanter Reize
bzw. eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten
Reizen (Modulationsstörung, taktile bzw. vestibuläre
Defensivität[11]): Hier kommt es regelmäßig
zu Reizüberflutungen, die dann eine geordnete (Anpassungs-)
Reaktion verunmöglichen.
· eine mangelnde Verknüpfung von Reizen
(z.B. wird der Schwerkraftreiz nicht automatisch mit
einer entsprechenden Muskelbereitstellung beantwortet.):
Deshalb erfordert die Organisation der Haltung (des
Haltungshintergrundes) Aufmerksamkeit. So kann es geschehen,
dass ein Kind in der Schule beim Abschreiben von der
Tafel vom Stuhl fällt, weil die durch das Abschreiben
absorbierte Aufmerksamkeit der Haltungsorganisation
verloren geht.
Wenn wir uns nun der sensorischen Deprivation vor dem
Hintergrund der sensorischen Integration erneut zuwenden,
so können wir neben der von außen verursachten
sensorischen Deprivation eine in Defiziten des wahrnehmungsverarbeitenden
Systems des Individuums begründete zumindest tendenziell
ähnliche Erscheinung vermuten. Hier liegt der Mangel
nicht im Reizentzug, sondern in der unzureichenden Reizaufnahme
und -verarbeitung.
Förderung der Körpereigenwahrnehmung im Sinne
der Sensorischen Integrationstherapie
Die Körpereigenwahrnehmung kann u.a. gefördert
werden durch
· isotonische Muskelkontraktion (Anspannung
in der Bewegung).· isometrische Muskelkontraktion
(Anspannung in der Ruhe).
Diese beiden Formen treten selten getrennt, jedoch mit
unterschiedlicher Gewichtung auf. So ist das Laufen
ein vor allem isotonischer, das Gewichtheben eine vorrangig
isometrischer Vorgang.
· durch Selbstberührung und passive Berührung
(Erfahrung der körperlichen Begrenzung).
· durch vestibuläre Stimulation (Schaukeln,
Trampolinspringen u.a.).
· durch „Hinspüren“, Achtsamkeit.
Psychische Erkrankungen und ihre Symptome aus der Sicht
der traditionellen chinesischen Medizin
Die drei Schätze
Jing (Essenz), Qi und Shen (Geist) werden „die
drei Schätze“ genannt.
Diese drei stehen für verschiedene Kondensationszustände
des Qi. Jing ist der dichteste, Qi der verfeinerte und
Shen der immateriellste Zustand.
Das Jing ist in der Niere beheimatet und ist die vorgeburtliche,
von den Eltern ererbte Essenz.
Das Qi wird aus der Atemluft und der Nahrung genährt
und steht mit Lunge-Magen-Milz in Verbindung.
Das Shen hat seinen Sitz im Herzen.
Die drei Schätze bedingen einander.
Das Jing wird über Atem- und Nahrungs-Qi erneuert.
Das Shen bezieht seine Grundlage aus Jing und Qi.
„Sind Essenz und Qi stark und in Blüte, so
ist der Geist glücklich, ausgeglichen und wach.
Sind Essenz und Qi hingegen erschöpft, so leidet
der Geist und kann unglücklich, deprimiert, ängstlich
oder benebelt werden.“[12]
Umgekehrt jedoch können Emotionen das Shen und
darüber mittelbar die anderen Organe, das Jing,
Qi und Xue („Blut“) beeinflussen.
Geist und Psyche: Shen, Hun, Po, Yi, Zhi
Dem Shen werden in der Literatur unterschiedliche Bedeutungen
zugewiesen. Die beiden wichtigsten sind:
1. Denkaktivität, Bewusstsein, Einsicht und Gedächtnisvermögen
= „Geist“
2. Geist, Wanderseele, Körperseele, Intellekt
und Willenskraft = „der fünffache Geist“
Diese fünf mentalen und spirituellen Aspekte sind
den 5 Yin-Organen wie folgt zugeordnet (sie „beherbergen“
diese):
· Geist (Shen) - Herz (Freude)
Shen ist die Schalt- und Koordinationsstelle aller
psychischen Funktionen, die Zentrale des Denkens-, Fühlens
und Wahrnehmens. Hun, Po, Yi und Zhi haben wichtige
Funktionen, arbeiten dem Shen jedoch nur zu. Umgekehrt
braucht das Shen deren Mitarbeit.
· Wanderseele (hun) - Leber (Zorn)
Die Wanderseele ist mit dem westlichen, christlichen
Verständnis von Seele verwandt. Sie betritt den
Körper kurz nach der Geburt und überlebt diesen.
Die Wanderseele beeinflußt Schlafen, Träumen,
rationales Denken, Intuition, Inspiration. Sie hält
die Emotionen in der Waage, hat eine Beziehung zu den
Augen und zu „Visionen und Einsicht“, zum
Mut und zur Feigheit (die Leber als „entschlossenes
Organ“). Sie unterstützt uns bei unserer
Lebensplanung und –gestaltung.
Die Wanderseele hat eine intensive Beziehung zum Geist
(shen). Sie beliefert den Geist mit Visionen, Plänen,
schafft die Verbindung zwischen individuellem und universellem
Geist (kollektives Unbewusstes, Archetypen u.a.). Umgekehrt
strukturiert der Geist die Wanderseele.
Ist die Wanderseele schwach, kann der Mensch deprimiert
und ziellos, weil ideen- und perspektivlos, werden.
Ist der Geist zu schwach, die Wanderseele im Zaum zu
halten, wird der Mensch zerstreut und rastlos (die Wanderseele
wandert ziellos umher), hat möglicherweise viele
Ideen und Projekte, kann diese jedoch nicht umsetzen.
Dann wird er von den Inhalten der Wanderseele überflutet.
Dies kann Psychosen verursachen. Die Wanderseele hat
ihren Sitz vor allem im Leber-Yin, das das Leber-Blut
beinhaltet. Bei einer Schwäche des Leber-Yin verliert
die Wanderseele ihre Heimat. Folge können Schlafstörungen,
Angst und Orientierungslosigkeit sein.
· Körperseele (po) - Lunge (Trauer, Depression)
Die Körperseele ist der physische Gegenspieler
der Wanderseele. Nach dem Tod kehrt sie zur Erde zurück.
Die wichtigste Aufgabe der Körperseele ist, die
Essenz in der Sphäre des Körpers und der Emotionen
zur Geltung zu bringen. Nur durch die Körperseele
kann die Essenz hier ihre Wirksamkeit entfalten. Die
Entwicklung der Sinnesorgane, der Wahrnehmung von körperlichem
und seelischem Schmerz und deren Ausdruck in Schluchzen
und Weinen, die Atmung, die Abschirmung des Individuums
gegen äußere psychische Einflüsse (Wei
Qi) und die Gestaltung des individuellen Lebens sind
weitere Aufgaben der Körperseele.
Meditation beeinflusst über die Atmung und die
Körperseele auch den Geist.
Schwächungen der Körperseele verursachen vor
allem tagsüber Probleme und beeinträchtigen
Vitalität und Kraft.
· Intellekt (Yi) - Milz (Sorge, Grübeln)
Unter Intellekt wir hier die Fähigkeit für
angewandtes Denken, Studieren, Konzentration.
Bei Milzschwäche wird das Denken stumpf, langsam
und ungerichtet.
· Willenskraft (zhi) - Niere (Angst)
Die Willenskraft gibt dem Menschen die Fähigkeit,
die vom Geist formulierten Ziele umzusetzen. Sind shen
und zhi stark, ist der Mensch in der Lage, sein Leben
selbstbestimmt zu gestalten.
Ist die Niere schwach, wird die Willenskraft geschwächt.
Menschen mit chronischer Depression leiden oft an Nierenschwäche.
Ist die Willenskraft geschwächt, bleiben die Pläne
des Geistes graue Theorie.
Ist die Willenskraft stark, der Geist jedoch schwach,
neigt der Mensch zu destruktivem und ergebnislosem Aktionismus.
Die Emotionen und die Yin-Organe: Mögliche Pathologien
Alle negativen Emotionen beeinträchtigen alle
Organsysteme. Jedoch gibt es in den einzelnen Organen
spezifische Resonanzen, die diese empfänglicher
für bestimmte Emotionen machen und mit den Eigenschaften
der Organe selbst zusammenhängen. Z.B. wird die
Leber (Wandlungsphase Holz) Zorn und Wut geschädigt
. Die in der Wut enthaltene Energie (Aggressivität
= Fähigkeit, an die Dinge heranzugehen, sie anzupacken)
ist auch für die Tatkraft des Holzes verantwortlich.
Die Genauigkeit des Denkens (Wandlungsphase Erde, Milz)
kann zu Grübelei werden.
Die Beeinflussung ist wechselseitig. Die Organe werden
durch Emotionen beeinflusst und verändern ihrerseits
die psychische Befindlichkeit.
Der Geist und das Herz stehen im Zentrum aller Yin-Organe
und der mit diesen verbundenen Emotionen. Alle Emotionen
treffen neben den entsprechenden Organen auch das Herz.
„Das Herz allein kann die Wirkungen emotionaler
Spannungen erkennen und fühlen, weil es für
Bewusstsein und Wahrnehmung verantwortlich ist.“[13],
d.h., auch für die Wahrnehmungsorganisation im
Sinne der sensorischen Integration.
Die genannten Emotionen beeinträchtigen die in
den Organen wirksamen vitalen Substanzen Qi, Blut und
Yin. Die dadurch eintretenden Veränderungen können
ihrerseits weitere Disharmonien verursachen, die die
psychische Stabilität zusätzlich beeinträchtigen.
|
Leber
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positive Emotionen
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schädigende Emotionen
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Kraft, Dynamik,
Kreativität, Großzügigkeit, Furchtlosigkeit (die Leber
als das „entschlossene Organ“)
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Zorn, Groll,
Wutunterdrückte Wut, Frustration, Ekel, Verbitterung
|
|
Mögliche Pathologien und ihre
Auswirkungen
|
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Stagnation von Leber-Qi
|
Angestauter Zorn,
chronische Depression
|
|
Leber-Blut-Stase
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Ängstlichkeit,
Unruhe, Ziellosigkeit, Reizbarkeit, Wutausbrüche, Psychose.
Die Wanderseele ist verwirrt.
|
|
Leber-Blut-Mangel
|
Einschlafstörungen,
Depression, Verlust der Lebensorientierung und -perspektiven,
Entscheidungsunfähigkeit: Mangelnde Verwurzelung der
Wanderseele im Leber-Blut)
|
|
Blut-Hitze der Leber
|
Reizbarkeit,
Zornesausbrüche, Schlafstörungen, Gewalttätigkeit,
Impulsivität.Die Blut-Hitze stört die Wanderseele und
orientiert sie zu stark nach außen.
|
|
Stagnation von Leber-Blut
|
Angst
|
|
Entleerung des Leber-Yin
|
Tiefe Depression,
Orientierungslosigkeit. Gedächtnisschwierigkeiten,
Schlafstörungen, Gefühl des Schwebens vor dem Einschlafen. Die
Wanderseele ist ihrer Residenz beraubt.
|
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Aufsteigendes Leber-Yang
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Ausgelebter Zorn (Zorn
als Maske/Abwehr für/von Schuldgefühlen)
|
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Leber-Feuer
|
Ausgelebter Zorn
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|
Da die Leber im
Hervorbringungszyklus die „Mutter“ des Herzens ist, attackiert der Zorn
das Herz. Leberfeuer verursacht Herz-Feuer.
|
| Herz
|
|
positive Emotionen
|
Schädigende Emotionen
|
|
Freude
|
„Freude“:
übermäßige Erregung und Begierde; ständige, meist
subjektiv als angenehm empfundene, auf die Dauer aufzehrende mentale
Stimulation; Manie; besessene Liebe; selbstverletzendes, süchtiges
Beziehungsverhalten; plötzliche eintretende Freude
|
|
Mögliche Pathologien
und ihre Auswirkungen
|
|
|
Stagnation des
–Qi
|
Trauer, Depression,
Weinerlichkeit, Beklemmung der Körperseele; negative Beeinflussung
durch Probleme anderer
|
|
Herz-Blut-Mangel
|
Ängstliche Unruhe,
Schreckbarkeit, Depression, chronische Müdigkeit,
Konzentrationsschwäche: Der eist ist seiner Residenz beraubt.
|
|
Herz-Blut-Stase
|
Furchtsamkeit,
Angstgefühle, Unruhe, Schreckhaftigkeit, Verlust des
Einsichtsvermögens, Psychose
|
|
Blut-Hitze des Herzens
|
Durchschlafstörungen,
Ängstlichkeit, Unruhe, evtl. Impulsivität. Die Blut-Hitze
erregt den Geist.
|
|
Milz
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positive Emotionen
|
Schädigende Emotionen
|
|
Ideen hervorbringen,
Konzentration und Memorieren; stille Kontemplation und Meditation ("die
Mitte aufsuchen")
|
Sorge, Brüten,
Grübeln; Nachdenken über das Leben, anstatt es wirklich zu
leben, fixe Ideen ("um eine fixierte Mitte kreisen").
|
|
Mögliche Pathologien
und ihre Auswirkungen
|
|
Schwäche des Milz-Yin
|
Gedächtnis- und
Konzentrationsschwierigkeiten, Einschränkung der
Lernfähigkeit.
|
|
Lunge
|
|
positive Emotionen
|
Schädigende Emotionen
|
|
|
Trauer, Gram, Reue
|
|
Mögliche Pathologien
und ihre Auswirkungen
|
|
Stagnation des
–Qi
|
Trauer, Depression,
Weinerlichkeit, Beklemmung der Körperseele; negative Beeinflussung
durch Probleme anderer
|
|
Schwächung des
Lungen-Yin
|
Müdigkeit,
Depression, Beeinflussung durch äußere psychische
Kräfte (Schwäche des Wei-Qi) Antriebslosigkeit,
Weinerlichkeit, Antriebslosigkeit. Die Körperseele ist ihrer
Residenz beraubt.
|
|
Neben der Lunge
beeinträchtigt die Trauer auch das Herz, bzw. die Lunge wird
mittelbar über die Herzschädigung angegriffen.
|
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Niere
|
|
positive Emotionen
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Schädigende Emotionen
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Flexibilität;
ruhiges Ertragen von Entbehrungen
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Chronische Angst und
Ängstlichkeit; plötzliches Erschrecken
|
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Mögliche Pathologien
und ihre Auswirkungen
|
|
Enleerung des Nieren-Qi
Absteigen des Qi
|
Leere-Hitze des Herzens
|
|
Beeinträchtigung des
Nieren-Yin
|
Erschöpfung,
mangelnde Willens- und Durchsetzungskraft, Abnahme der geistigen
Kapazität, Gedächtnisschwäche. Willenskraft und
Gedächtnis sind ihrer Residenz beraubt.
|
Diagnose und Therapie mentaler und emotionaler Störungen
Die chinesische Diagnostik und Therapie geht in der
Regel nicht von den westlichen Krankheitsbegriffen aus.
Auch gibt es keine psychiatrische Diagnostik und Therapie
im engeren Sinne. Da die chinesische Medizin Körper,
Geist- und Seele als Einheit sieht, erfolgt die Diagnose
wie bei anderen Erkrankungen anhand ihrer Wirkungen
auf Qi, Blut und Yin. In der Therapie kommen Akupunktur-
und Kräuterbehandlung gleichermaßen zum Einsatz[15].
Literatur zum Thema einer gezielten therapeutischen
Anwendung von Qigong konnte nicht nachgewiesen werden.
Qi, Blut,Yin: Stagnation, Stase, Hitze, Schleim
Psychischer Stress führt zu Qi-Mangel oder rebellierendem
Qi (das Qi tut nicht, was es soll; es steigt zum Beispiel
auf, wo es absteigen sollte.). Zorn, vor allem, wenn
er unterdrückt ist bedingt eine Qi-Stagnation in
der Leber.
Diese äußert sich wiederum als Depression,
Reizbarkeit, Frustration. Bei starker Stagnation kommt
es zu Schlafstörungen (Beeinträchtigung der
Wanderseele).
Gravierender sind die Auswirkungen auf das Blut, da
dieses die materielle Grundlage für Geist und Psyche
bildet. Blut ist Yin und beherbergt die Psyche (Yang).
Herz-Blut-Mangel kann Depressionen, Müdigkeit und
Konzentrationsschwächen verursachen.
Herz-Blut-Stase kann Phobien, Angststörungen, Unruhe,
Verlust des Einsichtsvermögens und Psychosen hervorrufen.
Blut-Hitze des Herzens bedingt Durchschlafstörungen,
Ängstlichkeit, Impulsivität und Rastlosigkeit.
Die Wirkungen von emotionalem Stress auf das Yin sind
ähnlich denen auf das Blut, das ein Teil des Yin
ist, jedoch können sie tiefgreifender sein.
Ein Yin-Mangel kann Depression, Müdigkeit, Gleichgültigkeit,
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen verursachen.
Diese werden in der Terminologie der westlichen Psychiatrie
als Minus-Symptome (kognitive und psychische Funktionen
sind eingeschränkt) bezeichnet.
Yin-Mangel kann jedoch auch Leere-Hitze hervorbringen.
In diesem Fall erhält das Yang ein relatives Übergewicht.
Der Geist ist beunruhigt und ängstlich, aggressiv
und ungeduldig.
In der folgenden Tabelle[16] sind die Beeinträchtigungen
der vitalen Substanzen systematisiert. Es gibt eine
unmittelbare Wirkung und weitere Wirkungen, die sich
aus der unmittelbaren Wirkung ergeben.
|
Substanz
|
unmittelbare Wirkungen
|
weitere Wirkungen
|
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Qi
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Mangel
|
Schleim
|
|
|
Stagnation
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Blut-Stase
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|
Blut
|
Mangel
|
|
|
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Hitze
|
Schleimfeuer
|
|
|
Stase
|
|
|
Yin
|
Mangel
|
Leere-Hitze
|
|
|
|
innerer Wind
|
Westliche Krankheitsbegriffe und chinesische Entsprechungen
Westliche psychiatrische Krankheitsbegriffe können
beispielsweise folgende Entsprechungen in der chinesischen
Medizin haben.
|
Psychosen
|
Der schwache Geist wird
von den Inhalten der Wanderseele überflutet und „verstopft“.
|
|
Depression
|
·
Schwäche
der Niere und Willenskraft
·
Unterdrückter
Zorn oder Groll (Qi-Stagnation in der Leber), Yin-Mangel
·
Loderndes
Leber-Feuer (Qi-Stagnation wandelt sich in Feuer)
·
Schwäche
des Herz-Qi, Herz-Blut-Mangel
·
Schleim
blockiert Qi-Fluss (Milzbeeinträchtigung durch Grübeln)
·
Blut-Mangel
durch übertrieben Angst
|
|
Manie
|
·
Fülle
des Herz-Qi
·
Blockierung
des Geistes Schleim, Stagnation von Qi oder Blut
|
|
Schizophrenie
|
Blockierung des Geistes
durch Schleim, Stagnation von Qi oder Blut
|
|
Schlafstörungen
|
Starke Qi-Stagnation in
der Leber (die Wanderseele irrt umher)
|
|
Phobien,
Angststörungen
|
Herz-Blut-Stase
|
|
Manisch-depressive
Erkrankung
|
Schleimfeuer
|
Chinesische Krankheitsbegriffe und Therapieansätze
Psychische Störungen in der Terminologie der chinesischen
Medizin haben immer Wirkungen auf Qi, Blut, und Yin
und können durch Störungen dieser "Substanzen"
verursacht sein. Aus Phänomenologie und Pathologie
ergeben sich entsprechende Therapie-Richtlinien
|
Störung des Geistes
|
Pathologie
|
Therapiemethode
|
|
Blockierung:
verwirrtes Denken, benebelter Geist, Verlust der
Einsichtsfähigkeit, formale Denkstörungen, Schizophrenie,
Manie
|
Qi-Stagnation
|
Qi bewegen, den Geist
beruhigen
|
|
Blut-Stase
|
Blut bewegen, den Geist
beruhigen
|
|
Schleim:
Schleim behindert den Geist und das Denken, beunruhigt aber nicht. Er
macht müde, antriebsschwach, deprimiert.
|
Schleim auflösen,
die Öffnungen freimachen, den Geist beruhigen
|
|
Beunruhigung:
Erregung, Ruhelosigkeit, Ängstlichkeit
|
Blut- und/oder Yin-Mangel
|
Das Herz nähren, den
Geist beruhigen
|
|
Yin-Mangel mit Leere-Hitze
|
Das Yin nähren,
Leere-Hitze beseitigen, den Geist beruhigen
|
|
Qi-Stagnation
|
Qi bewegen, den Geist
beruhigen
|
|
Blut-Stase
|
Blut bewegen, den Geist
beruhigen
|
|
Feuer
|
Feuer ausleiten, den
Geist beruhigen
|
|
Schleim-Feuer:
Schleim-Feuer behindert den Geist und das Denken, beunruhigt aber auch.
Der
|
Feuer ausleiten, Schleim
auflösen, die Öffnungen freimachen, den Geist beruhigen
|
|
Schwächung:
Depression, geistige Erschöpfung, Melancholie
|
Qi-Mangel
|
Qi tonisieren, den Geist
beruhigen und klären
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Yang-Mangel
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Yang tonisieren, den
Geist beruhigen und klären
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Blut-Mangel
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Das Blut nähren, den
Geist beruhigen
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Yin-Mangel
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Das Yin nähren, den
Geist beruhigen
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Die Praxis
Die Gruppe
Zu meiner Gruppe gehörten drei Frauen und zwei
Männer mit folgenden Krankheitsbildern:
· paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
· schizo-affektive Psychose (Schizophrenie mit
manisch-depressiven Anteilen)
· Borderline-Störung mit Medikamentenabhängigkeit
und Selbstverletzungs-Tendenzen
Alle lebten in einem sozialtherapeutischen Wohnprojekt
für chronisch psychisch Erkrankte, waren trotz
antipsychotischer und antidepressiver Medikation häufig
durch Antriebsschwäche und depressive Phasen beeinträchtigt
und z. T. florierend psychotisch.
Ich leitete diese Gruppe über 11 Monate von Ende
2002 bis zum Herbst 2003 im Rahmen meiner Berufstätigkeit
als Ergotherapeut. Die Gruppe fand einmal in der Woche
30-40 Minuten statt, während einer Phase von ca.
3 Monaten auch an vier weiteren Wochentagen jeweils
morgens eine Viertelstunde.
<>Meine Arbeit mit den Teilnehmern endete mit
der Beendigung meiner dortigen Anstellung.
<>
<>
Die Kontinuität der Teilnahme wurde maßgeblich
vom Betreuungsteam der Wohngruppen gewährleistet.
Diese Art der gestützten Motivation ermöglichte
positive Entwicklungen.
Viele psychisch gestörte Menschen haben ein gestörtes
Verhältnis zu ihrem Körper. Sie vernachlässigen
seine Pflege, blenden sein Vorhandensein aus, leiden
unter Schmerzen, meiden oder fürchten Bewegung.
Ziel meiner Arbeit mit psychisch gestörten Menschen
ist, den Körper als zentrale Realität des
Lebens und Körperpflege als Selbstpflege (wieder)
bewußt zu machen.
Übungspraxis
Diese orientiert sich gleichermaßen an den Kriterien
der Sensorischen Integrationstherapie wie der traditionell
chinesischen Denkweise.
Da sich die TeilnehmerInnen überwiegend in einem
schlechten muskulären und konditionellen Zustand
befanden, nahmen aktivierende, tonisierende Übungen
einen großen Anteil der Übungspraxis ein.
Jedoch sollte immer unterhalb der Belastungsgrenze gearbeitet
werden.
Jing und Qi sind die Basis für Shen. Deshalb wirken
alle Übungen, die das Jing und Qi nähren,
auch positiv auf das Shen. Eine zentrale Rolle nehmen
Übungen ein, die das untere und mittlere Dantian
nähren und verbinden, ein Gegengewicht zur oberen
Fülle setzen und das „Feuer unter das Wasser
bringen“.
Eine Teilnehmerin hatte immer wieder (hypo-)manische,
euphorisierte Zustände. Regelmäßig war
der Preis, den sie anschließend dafür zahlen
mußte, der Sturz in eine tiefe Depression, oft
mit stuporösem Erscheinungsbild (körperliche
Erstarrung). Verständlicherweise zieht diese Frau
die manischen Phasen, in denen sie leistungsfähiger
und körperlich beweglicher ist, den depressiven
vor. Eine Male gelang es durch die Qigong-Übung,
dieser pathologischen Hochgestimmtheit, die im Übrigen
für die übrigen Teilnehmer sehr störend
war, die Spitze zu nehmen, ohne einen Absturz zu initiieren,
da ihr Wohlsein durch Verwurzelungs- und das Dantian
nährende Übungen eine tragfähigere Basis
erhielt. Auf diese Weise stieg die Fähigkeit und
damit auch Bereitschaft dieser Frau, sich emotional
mehr in der Mitte einzurichten.
Verwurzelungsübungen (Zhan Zuang, Stehen wie ein
Baum, Steigen und sinken) erhöhen die Standfestigkeit
und stärken das Nieren-Qi.
Selbstmassage ist vor allem bei dissoziativem Körpererleben
(der Körper wird im Erleben abgespalten, als nicht
zur eigenen Person gehörig erlebt) hilfreich. Es
ist für manche Menschen nicht selbstverständlich,
sich des eigenen Körpers durch Selbstberührung
zu vergewissern.
Ein 34-jähriger Teilnehmer, der trotz neuroleptischer
Behandlung weiterhin an akustischen, möglicherweise
auch visuellen Halluzinationen leidet, darüber
hinaus fürchtet, bei Anstrengung einen Herzinfarkt
zu erleiden, wurde beim Üben zunehmend unruhig.
Dazu befragt, sagte er, er spüre seine Füße
nicht. Eine Knet- und Klopfmassage der Füße
half ihm, die Übung konzentrierter fortzusetzen.
Das Singen der Heilenden Laute oder spontan improvisiertes
Singen unterstützt über die Vibration in den
jeweiligen Resonanzzentren das Körpererleben. Die
heilenden Lauten im Zusammenhang der 5-Elemente-Übung
oder im Liegen mit Auflegen der Hände auf die jeweiligen
Organe, bei gleichzeitiger Visualisierung des Organs
und Würdigung der von ihm geleisteten Arbeiten.
Darüber hinaus fördern die heilenden Laute
die emotionale Ausdrucksfähigkeit und das Gruppenerleben.
Chronisch psychisch kranke Menschen verbringen z.T.
viel Zeit im Bett, wo sie sich in eine körperliche
Erschlaffung ergeben. Deshalb wurde eine Entspannung
(Lockerung von Muskulatur und Gelenken) vorzugsweise
über Anspannung im Sinne der progressiven Muskelrelaxation
nach Jacobsen angestrebt. Hierbei erfährt der/die
Übende über die Muskelanspannung eine klare
Rückmeldung. Die Aufmerksamkeit wird auf die jeweilige
Körperregion gerichtet und Entspannung als Eutonie
im Sinne eines entspannt-gespannten Bereitschaftszustandes
erreicht.
Der Antriebslosigkeit lässt sich mit dynamischen
(Aufwärm-)Übungen (Hüpfen, Schütteln,
Schwingen) begegnen. Auch isometrische, anstrengende
Übungen sind hilfreich (breiter, tiefer Stand,
langsame Bewegungen mit maximaler Körperspannung).
Qigong kann auch helfen, die eigenen Grenzen für
sich selbst und andere deutlicher zu machen. Gerade
bei schizophrenen und Angsterkrankungen werden die Grenzen
zwischen Person und Umgebung häufig diffus erlebt,
was paranoides Erleben zur Folge haben kann: Der/die
Betroffene glaubt, andere könnten ihre Gedanken
lesen oder hören, fühlt sich durch Straßengeräusche
bedroht, durch andere Menschen verfolgt usw.. Manche
von ihnen spüren nicht, wenn andere Menschen ihnen
zu nahe kommen und sie dadurch energetisch negativ beeinflussen.
Da soziale Beziehungen immer räumliche Beziehungen
sind, können sie im Raum bewusst erfahrbar gemacht
werden.
Hier wurde das Qigong-Übungsprogramm ergänzt
durch Distanzübungen: Eine Person nähert sich
einer anderen. Letztere gibt ein Stop-Zeichen, wenn
sie das Gefühl hat, ihre persönliche Grenze
sei erreicht. Anfangs kam das Stop-Zeichen meist erst
dann, wenn die Grenze bereits überschritten und
ein Unwohlsein eingetreten war. Mit zunehmender Sensibilisierung
wurde der Grenzraum erweitert.
Die durch das Qigong erhöhte Sensibilität
kann das Erleben auch negativ beeinflussen.
Ein Teilnehmer, der seine Begegnungen mit anderen Menschen
häufig paranoid verarbeitete, klagte darüber,
dass er durch die Übungen so sehr geöffnet
werde, dass er sich gegen die Umgebung (99 MitbewohnerInnen
mit z.T. schwersten Symptomatiken, incl. Spätdyskinesien[19]
) nicht mehr ausreichend abgrenzen könne. Er fühle
sich dadurch sehr beeinträchtigt. Leider war er
nicht dazu zu bewegen, einen weiteren Versuch mit veränderten
Übungsabläufen (z.B. eine Betonung des Wie
Qi in eher der Kampfkunst zuzurechnenden Übungen)
zu wagen. Möglicherweise wurde hier der Übungsabschluß
(das Sammeln des Qi im unteren Dantian, der Übergang
aus der Übezeit in den Alltag) nicht ausreichend
angeleitet. Schließlich einigten wir uns darauf,
gemeinsam eine Karate-Kata zu erarbeiten.
In diesem Sinne sind auch kampfkunstnahe Qigong-Übungen,
die das Wei-Qi (Abwehr-Qi) nähren, sinnvoll, dies
vor allem für Menschen, die wenig Kontakt zu ihrer
Aggressivität haben und sich gegen andere nicht
ausreichend abgrenzen können.
Übungen, die verstärkt mit Vorstellungen
arbeiten (Sitzmeditation, Stilles Qigong), kommen gar
nicht oder nur sehr vorsichtig (nach gründlicher
Vorbereitung durch bewegte und isometrische Übungen)
zum Einsatz, um der Tendenz zum „Abdriften“
keinen Raum zu geben. Von Qigong-Übenden berichtete
visuelle Sensationen (Sehen des „Qi-Mantels“
oder der „Aura“), die für eine starke
Sensibilisierung sprechen, werden allzu leicht psychotisch
verarbeitet.
Da das lange Stehen den TeilnehmerInnen sehr schwer
fiel, wurden zunehmend Geh-Übungen und Übungen
im Liegen in das Programm aufgenommen.
Sehr wichtig war, die TeilnehmerInnen immer wieder
zu Rückmeldungen über die Wirkungen des Übens
aufzufordern und diese als bedeutsamen Aspekt des Lernprozesses
darzustellen, da sie z.T. dazu neigten, unangenehme
Empfindungen, Gefühle und Gedanken als persönliches
Versagen zu sehen.
Leider ließen sie sich nicht dazu zu bewegen,
die Übungen dauerhaft auch eigenständig durchzuführen
oder Bewegungsgewohnheiten ihres Alltags (Auf- und Abgehen
auf dem Flur) mit Achtsamkeit nachzugehen.
Auffallend eingeschränkt war das Bewegungsgedächtnis.
Auch einfache Sequenzen mußten immer wieder demonstriert
werden.
Wirkungen
Rückmeldungen der TeilnehmerInnen
· Häufig wurden die Übungen, vor Allem
das Stehen, als zu anstrengend erlebt. Dagegen waren
Übungen im Gehen oder Liegen z.T. sehr beliebt,
so dass sie schließlich den größten
Anteil einnahmen.
· Es wurde mehrfach berichtet, dass die der
Übungszeit anschließende Nachmittagszeit
in erheblich größerer Ruhe verbracht werden
konnte.
· Ein (täglich halluzinierender) Teilnehmer
berichtete: „Meine Emotionen sind jetzt in die
Beine gerutscht.“ Derselbe nannte die Qigong-Wirkung
„wunderbar“.
· Eine Teilnehmerin konnte gelegentlich auf
eine zusätzliche Medikation (sog. „Bedarfsmedikation“
zur Abmilderung von Krisenspitzen) verzichten.
· Eine zwanghafte Patientin, die immer darauf
fixiert war, Alles „richtig“ zu machen,
antwortete mir einmal, als ich einen Bewegungsablauf
korrigierte: „Es ist mir egal.“ Vielleicht
wurde auch diese authentische Aussage, die mich spontan
sehr erfreute, erst durch die in der Übung gewonnene
Standfestigkeit möglich.
Resümée:
Qigong als körperorientierte, ganzheitliche übende
Methode kann in der psychiatrischen Arbeit erfolgreich
praktiziert werden.
Wie am Beispiel der Sensorischen Integrationstherapie
deutlich wird, lassen sich westliche und asiatische
Denk- und Handlungsansätze sinnvoll verbinden.
Qigong bietet sich vor allem auch deshalb an, weil
es nicht nur der körperliche Ertüchtigung
und Beweglichkeit dient, sondern über die geistigen
Inhalte einen Zugang für "Sportmuffel"
und Kopfmenschen, von denen es im psychiatrischen Feld
viele gibt, bietet.
Weltabgewandte Spiritualität, vielfach der Einstiegspunkt
für psychiatrische "Karrieren", vermag
hier eine physische Basis zu erhalten.
Auf diese Weise kann es gelingen, der wichtigsten menschlichen
Realität, der Körperlichkeit, wieder den ihr
gebührenden Platz einzuräumen.
Qigong kann medikamentöse Behandlung nicht ersetzen,
aber unterstützen und u.U. die Dosen reduzieren
helfen. Auch hier sollte man, bei aller berechtigter
Skepsis, nicht den Fehler machen, in Konkurrenz zu für
die Betroffenen häufig sehr hilfreichen Methoden
zu treten. Da Qigong jedoch eine Selbsthilfe-Methode
ist, kann es Menschen bei der Wiedererlangung bzw. Stärkung
ihrer Autonomie und Entscheidungsfähigkeit und
der Stabilisierung ihrer Lebensumstände helfen.
Verwendete Literatur:
· "Es ist die Angelegenheit der ganzen
Gesellschaft...", in Materialien-Heft Nr. 5, (Hrsg)
Informationsstelle Kurdistan e.V., Berlin 2000. zitiert
nach http://www.mozaik-bonn.de/dergi7.html
· (http://paedpsych.jku.at:4711/LEHRPROGRAMME/PSYCHGRUNDLAGEN/Contents/Descript/sensdepr.htm)
· Guorui, Jiao: Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong.
Uelzen. 2. Aufl. 1991
· Guorui, Jiao: Qigong Yangsheng. Uelzen, 2.
Auflage 1989. S. 60
· Hesse, Wolfgang/ Königer, Gabriele: Erfahrungen
mit Angeboten zur sensorischen Integration in der Behandlung
akut schizophrener Patienten. In Ergotherapie &
Rehabilitation. Heft 1. Januar 1998. S.5 ff.
· Maciocia, Giovanni: Die Praxis der chinesischen
Medizin. Kötzting. 1997
· Novotny , U. e.a.: Risiken und Komplikationen
bei Tai Chi und Qi Gong. zitiert nach
http://www2.lifeline.de/yavivo/Verfahren/Naturheilverfahren/QiGong_TaiChi/30Risiken.html.
2001
· Focks, Claudia / Hillenbrand, Norman (Hrsg.):Leitfaden
Traditionelle Chinesische Medizin. München. 1997
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[1] Guorui, Jiao: Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong.
Uelzen. 2. Aufl. 1991
[2] Guorui, Jiao: Qigong Yangsheng. Uelzen, 2. Auflage
1989. S. 60
[3] Novotny , U. e.a.: Risiken und Komplikationen bei
Tai Chi und Qi Gong. zitiert nach
http://www2.lifeline.de/yavivo/Verfahren/Naturheilverfahren/QiGong_TaiChi/30Risiken.html.
2001
Die Frage ist, was hier mit Psychosen gemeint ist.
Nicht jede Halluzination oder ungewöhnliche visuelle
Sensation (von Qigong-Übenden werden Sehen der
Aura oder des Qi-Mantels berichtet) ist Ausdruck einer
Psychose.
[4] Vulnerabilität ist die konstitionelle Prädisposition
eines Menschen, auf psych-osoziale Stressmomente mit
einer schizophrenen Erkrankung zu reagieren. Das Vulnerabilitätsmodell
ist Ausdruck einer veränderten Sichtweise der schizophrenen
Psychose, die die Krankheitsgenese nicht nur genetisch,
sondern auch psychodynamisch und psycho-sozial sieht,
wodurch psychotherapeutische Verfahren und Gestaltung
der Lebensumwelt ein zunehmend wichtiger Teil des Umgangs
mit der Krankheit wurden und evtl. Rezidiven –
Rückfälle in akut-psychotische Zustände
– vorbeugen konnten.
[5] Hesse, Wolfgang/ Königer, Gabriele: Erfahrungen
mit Angeboten zur sensorischen Integration in der Behandlung
akut schizophrener Patienten. In Ergotherapie &
Rehabilitation. Heft 1. Januar 1998. S.5 ff.
[6] Zoenästhesien sind keine Körperhalluzinationen,
sondern „Als-Ob“-Erlebnisse, die quälend
sein können. Beispiele: „Als ob eine Ameisenstraße
durch den Körper führt“, „Als
ob Nägel durch die Haut getrieben würden.“
Der Unterschied zur Halluzination ist, dass die Zoenästhesie
vom Betroffenen in ihrer Unwirklichkeit realisiert wird.
[7] „Beispiel: Eine Versuchsperson wird in einem
ruhigen, dunklen Raum auf eine Liege gelegt und festgebunden,
so daß sie sich nicht mehr bewegen kann. Als Folge
dieses Zustands steigt bei der Person das Verlangen
nach Sinnesreizen und Körperbewegung. Je länger
dieser Zustand der Deprivation andauert, desto mehr
lassen sich bei dem Betroffenen Störungen des normalen
Denkablaufs, Konzentrationsschwäche, depressive
Verstimmungen und in einzelnen Fällen auch Halluzinationen
beobachten.“
(http://paedpsych.jku.at:4711/LEHRPROGRAMME/PSYCHGRUNDLAGEN/Contents/Descript/sensdepr.htm)
[8] Die Isolation, die von den Wissenschaftlern "sensorische
Deprivation" genannt wurde, erklärt der Facharzt
für Psychiatrie Sjen Teuns in seinem Buch "Isolation/
Sensorische Deprivation: die programmierte Folter"
folgendermaßen: Sensorische Deprivation ist die
"Isolation von der Umwelt durch Aushungerung der
Seh-, Hör-, Riech-, Geschmacks- und Tast- Organe.
(...) Durch Aushungern im herkömmlichen Sinne kann
man ebenso wie durch Erschießen oder Vergasen
sowohl menschliches als auch tierisches Leben vernichten.
Sensorische Deprivation hingegen ist eine speziell auf
den menschlichen Organismus zugeschnittene Methode der
Zerstörung von Lebenssubstanz. (...) Über
Monate und Jahre angewendet, ist sie der sprichwörtlich
'perfekte Mord' für den keiner - oder alle, außer
den Opfern- verantwortlich ist".
zitiert nach: "Es ist die Angelegenheit der ganzen
Gesellschaft...", in Materialien-Heft Nr. 5, (Hrsg)
Informationsstelle Kurdistan e.V., Berlin 2000. zitiert
nach http://www.mozaik-bonn.de/dergi7.html
[9] Der Begriff Intake (=“Hineinnahme“)
beinhaltet, dass Wahrnehmung kein passiver Prozess ist,
bei dem etwas in das Individuum eingegeben (Input wie
bei einem Computer), sondern ein in der Verarbeitung
und Beantwortung aktiver und selektiver Vorgang. Diese
Tatsache ist die Begründung Reizüberflutung
in Folge mangelnder Reizhemmung und –selektion,
für Verkennungen und andere Wahrnehmungsschierigkeiten.
[10] Das Vestibulum, bestehend Sacculus, Utriculus
und Bogengängen, befindet sich im Innenohr.
[11] Modulation ist die Verstärkung (z.B. „Hinhören“)
bzw. Hemmung („Ausblenden“) von Reizen.
Taktile Defensivität ist ein protopathisches (entwicklungsgeschichtlich
altes) Reaktionsmuster, das auf Berührung mit Flucht
oder Angriff reagiert. Dieses Muster muss gehemmt werden,
damit wir Berührung auch epikritisch (unterscheidend,
„ertastend“) interpretieren können.
[12] Maciocia, Giovanni: Die Praxis der chinesischen
Medizin. Kötzting. 1997. S.188
[13] Maciocia, Giovanni: Die Praxis der chinesischen
Medizin. Kötzting. 1997. S. 201
[14] Die Beeinflussung zwischen Organen und Emotionen
ist jeweils wechselseitig zu verstehen.
[15] Maciocia, Giovanni: Die Praxis der chinesischen
Medizin. Kötzting. 1997. S. 212 ff.
[16] Maciocia, Giovanni: Die Praxis der chinesischen
Medizin. Kötzting. 1997. S. 216
[17] "Schleim" ist keine Substanz. Er "verstopft
den Geist und die Herzöffnungen und behindert das
Denken.
[18] Schleim-Feuer bewirkt neben den Eigenschaften
des Schleims noch unnatürliche Euphorie und manisches
Verhalten. Dies kann bis zu einer manisch-depressiven
Erkrankung führen.
[19] Durch Neuroleptica (anti-psychotische Medikamente)
verursachte irreversible Bewegungsstereotypien
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